»Fear of Content« – Orte der 9. Berlin Biennale (Teil I: Online)

Cajsa von Zeipel: Pony Tails: To Live Play Move and Clash as She Will, 2014.

Cajsa von Zeipel: Pony Tails: To Live Play Move and Clash as She Will, 2014.

Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Überfluss gibt es aber nicht nur an materiellen Gütern, sondern Überfluss generiert sich für uns Digital Natives auch (oder vielleicht vor allem) aus der  Fülle an verfügbarer Information. Diesem Zustand widmet sich die neue digitale Plattform der 9. Berlin Biennale Fear of Content. 

»Die Vergiftung durch den permanenten Fluss von Inhalten, die unbedingt gelesen werden müssen, ist mittlerweile ein Zustand, der unser tägliches Leben definiert.«, heißt es im Newsletter der 9. Berlin Biennale, der sich selbst sowie den neuen Feed ebenso als Teil des riesigen Content-Stroms reflektiert. Fear of Content ist »ein kontinuierlich aktualisierter Feed aus Aufsätzen, Interviews, digitalen Projekten, Inhalten und nochmal mehr Inhalten« und er »startet genau jetzt, mit dem Lesen dieses Newsletters. Somit wieder aktualisieren. Oder abmelden, siehe unten.« Der Begriff Fear of Content ist aus Rob Hornings wegweisenden Aufsatz Die Furcht vor dem Inhalt (2015) entwendet, in dem er Susan Sontags Kunst und Antikunst (1966) absichtlich fehlinterpretiert, um die Relationen zwischen Inhalt und Form im Internet State of Mind zu untersuchen.

Im Bereich Fear of Content ist jeder Klick eine zu reflektierende und mitunter ethische Handlung: Wie die Beschriftung der Buttons anzeigen, muss man sich zu den jeweiligen Inhalten ›trauen‹, sie sind zu ›überfliegen‹, ›anzufassen‹ oder ›endlich zu lesen‹. So wird auch das Nicht-Lesen zu einer klaren Entscheidung. Entscheidet man sich jedoch für das Lesen der bis dato veröffentlichten Contents, oder besser: traut man sich, sie zu lesen, dann begegnet man einem ausgesprochen weiten thematischen Spektrum: Natasha Staggs zeichnet in Unbehagen im Trend Mikrotrends bis zu deren überraschendem Ende nach; McKenzie Wark reflektiert in Geopolitik der Überwinterung die gegenwärtigen Klimakriege, die über uns hinwegtoben; Chuz Martinez’ Aufsatz Die komplexe Antwort denkt über die verschiedenen Organisationsformen von Erfahrung, Ausstellungsdesign und deren künftigen Möglichkeiten nach; über die unausweichlichen Auswirkungen der allgegenwärtigen Erreichbarkeit spekuliert Boris Groys in Kosmische Angst.

Kommende Veröffentlichungen: Antoni Abad, åyr mit Rem Koolhaas und Hans Ulrich Obrist, CUSS Group, Kathleen Daniel, Cécile B. Evans mit Andrew Snyder-Beattie, Oleg Fonaryov mit Hito Steyerl, Simon und Daniel Fujiwara, GCC, Izabella Kaminska mit Simon Denny, Meredith Meredith, Sean Monahan, New Scenario, Ingo Niermann, Alexandra Pirici, Puppies Puppies, Sean Raspet, sowie Eduardo Viveiros de Castro und Déborah Danowski mit Michelle Sommer und Daniel Steegmann Mangrané.

Link zu Fear of Contenthttp://bb9.berlinbiennale.de/de/f-o-c/

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