Shots of Awe

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Über 9 Millionen Views verzeichnen Jason Silvas Mikro-Dokumentationen Shots of Awe, die nun seit mehr als drei Jahren im Netz zirkulieren. Sie handeln von den großen Themen der Gegenwart: Kreativität, Innovation, das Verhältnis von Mensch und Technologie, Zukunft, Metaphysik, Existenz. Silva selbst nennt seine Videos »philosophical espressos«. Zeitgemäße Philosophie sei das Ziel: »Philosophy, Science and Art for the YOUTUBE generation.« (Jason Silva). Sein unakademischer Gestus erhebt den Anspruch, in und für die Lebenswelt des 21. Jahrhunderts Philosophie zu betreiben, ganz ohne Philosophiegeschichte. Nicht mit der Gewalt schwer verständlicher philosophischer Begriffe und Ismen arbeiten Silvas Videos, sondern mit einer dramaturgischen Gewalt von Sprache, Bildern und Musik.

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The Imaginary Foundation bezeichnete Jason Silva daher als »Ontological DJ«, er selbst begreift sich als Filmemacher, Futurist und »epiphany addict«.  Mit akademischer Philosophie, wie sie in den Hochschulen Europas begegnet, haben Shots of Awe wenig gemein. Klassische wissenschaftliche Methodik, historische Verortung und präzise Arbeit mit philosophischen Texten sucht man vergeblich. Kritische Stimmen würden Silvas Shots of Awe als flache, pop- (und damit un-)wissenschaftliche Möchtegernphilosophie bezeichnen. Und natürlich kann man ebenso kritisieren, dass die vermeintliche Botschaft der Videos – weg von Konsum und Kommerz hin zu einer Sensibilität für die wirklich relevanten Augenblicke des menschlichen Lebens – von Silva selbst nicht annähernd eingehalten wird: So sprach der Filmemacher bei zahlreichen Konferenzen für diverse Riesenkonzerne (unter anderem TEDGlobal, Google’s Zeitgeist Conference, Microsoft, IBM, Adobe, Oracle, Electronic Arts, Honeywell, PEPSICO, Intel, Dolby) und rückt damit sich und seine Arbeit in die Nähe von Werbung, Kommerz und Konsum. Ja, das alles kann man den Shots of Awe vorhalten.
Aber möglicherweise macht man es sich mit solch einer Kritik zu leicht. Denn es handelt sich erst einmal um einen basis-demokratischen Ansatz, philosophische Gedanken leicht verständlich und begeistert-/nd für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (Vielleicht aber zeigt sich bei dieser Kritik auch nur ein Selbstwertproblem europäischer Philosophie, wenn sie sich ›ohne Geschichte‹, ohne Historizität weniger wertvoll fühlt.)
Aber das wirklich Spannende der Shots of Awe ist nicht ihr Was, sondern ihr Wie: Awe wird nicht nur ›gesagt‹, sondern es zeigt sich auch als solches. Denkprozesse werden als performative und körperliche Denkprozesse inszeniert: Silvas Gedanken bewegen. Sein Schwärmen, seine Begeisterung, seine ›illumination‹ werden regelrecht spürbar und wirken ansteckend.

Empfohlene Shots of Awe:
–  Awe

Shots of Awe_Awe

–  Love is a Religious Problem

Shots of Awe_Love is a religious problem

https://www.youtube.com/user/ShotsOfAwe
http://thisisjasonsilva.com
http://www.dazeddigital.com/artsandculture/article/17731/1/jason-silva

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