(fremd)SEIN. We’re-worked – We’re-mixed – We’re-arranged

posterWas bin ich? Was bin ich nicht? Was ist mir eigen? Was ist mir fremd? Wo komme ich her? Und viel wichtiger: Wo will ich hin?

Diesen Fragen ging eine Gruppe junger Künstler und Künstlerinnen nach, die aus einem Projekt zum Thema Inter-/Trans-/Hyperkultur im Institut für Kunst & Kunsttheorie der Universität zu Köln hervorgegangen ist. Sie zeigten die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit dem (fremd)SEIN in der globalisierenden Welt in Form künstlerischer Arbeiten am 27. und 28. Juni 2014 im Ausstellungsraum efunktion in Köln Ehrenfeld.

Mit dem Blick der im Kulturraum des Internets aufgewachsenen Generation, setzten sich die Nachwuchskünstler vielperspektivisch mit der erlebten Realität der Migrationsgesellschaft auseinander. Die Arbeiten zeigten, dass die Suche nach dem vermeintlich Fremden immer beim eigenen Selbst beginnt und – unter den Bedingungen der sich kulturell ständig wandelnden Welt-Gesellschaft – nie zufriedenstellend beantwortet werden kann.

2_flyer_01_backEs wurden formal breit gefächerte Arbeiten präsentiert. Surreale Fotografien von Raphael Di Canio fokussierten die Schwelle zwischen Gefühl und Vernunft, Traum und Wirklichkeit sowie die Gratwanderung zwischen dem Alltäglichen und dem Fremden des eigenen Ichs und seine Eskalation im Prozess des Affekts. Auf der Suche nach dem, was uns ausmacht, stellte Judith Dauth mit ihrer partizipativen Installation ichunterkonstruktion die Trennung zwischen Künstler und Betrachter infrage und Prisca Nanninga, die zusammen mit Paula Flake mittels einer Plastik Fremdheitsgefühle weckte, regte zur Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle im persönlichen Lebensumfeld an. Die Künstler setzten sich im Kontext eigener und anderer Migrationshintergründe mit den Möglichkeiten des (fremd)Seins im Weltweit-Werden der Kulturen auseinander. Die Besucher und Besucherinnen trafen auf interaktive und partizipative Arbeiten, die einluden, sich selbst als Teil der Suche nach Antworten auf sehr grundlegende Fragen des kulturellen Selbst-Verständnisses zu begreifen.

Von der Idee bis zur Ausstellung

PART I – Das Seminar
PART II – Die Vorbereitung
PART III – Die Ausstellung
Bildergalerie
Rückblick


PART I – Das Seminar

Ausgangspunkt des Projekts war das Seminar „Inter-/Trans-/Hyperkultur, Digital Natives and the Global Contemporary“, geleitet von Prof. Dr. Torsten Meyer (Kunst und ihre Didaktik). Wir setzten uns zunächst theoretisch mit den Herausforderungen für eine zeitgemäße Kunstpädagogik in inter- und transkulturellen Gesellschaften und auf zeitgemäßem Niveau hinsichtlich Nutzung und Thematisierung aktueller Medientechnologien und veränderter Kulturtechniken auseinander. Die kulturelle Umwelt von Kindern und Jugendlichen ist zunehmend von Hybridformen geprägt, in denen sich die abendländisch geprägte Hoch- mit Alltagskultur mit Zeichensystemen anderer Kulturen sowie mit globalisierten Medien- und Jugendkulturen mischen. Schulische wie außerschulische Kunstpädagogik muss sich deshalb mit den sich stark verändernden Bild- und Medienkulturen auseinandersetzen und Perspektiven und Methoden entwickeln, wie damit in der pädagogischen Praxis umgegangen werden kann und soll. Ziel des Seminars war es, im Laufe des Semesters aus dem erarbeiteten Wissen ein Projekt kunstpädagogischer Praxis zu entwickeln. Im Zuge unserer Überlegungen auf welche Weise wir ein solches Projekt umsetzen könnten, erfuhren wir von einer Projektausschreibung der JUNGEN AKADEMIE DER KÜNSTE DER WELT :

akw_youth_logo„Das wesentliche Ziel der Ausschreibung der Jungen Akademie ist es, Projekte von Einzelkünstler_innen oder Künstlergruppen zu fördern und den Dialog zwischen den Künsten und mit den Mitgliedern der Jungen Akademie anzuregen.”

 

Da Projekte zum Thema „Interkultur“ ausdrücklich erwünscht waren und sich unser Seminar u.a. genau damit beschäftigte, entschieden wir uns bei der Akademie eine Bewerbung einzureichen. Wir entwickelten gemeinsam ein Konzept und wurden damit angenommen! Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für die Förderung und die tolle Kooperation!


PART II – Die Vorbereitung

Wir hatten viel Arbeit vor uns. Jede Künstlerin und jeder Künstler plante seine eigene Arbeit, die er ausstellen wollte, wir überarbeiteten das Konzept, schrieben Pressetexte und Künstlerbiografien, suchten nach möglichen Ausstellungsorten, hielten ständig Rücksprache mit der Jungen Akademie, erstellten eine Kostenkalkulation, entwarfen Plakate und Flyer, diskutierten über ein mögliches “brain” der Ausstellung (siehe Brain der Documenta 13) und planten die eigentliche Ausstellung. Jeder von uns betrat dabei Neuland, weshalb oftmals viele Fragen bezüglich Organisation, Planung, kuratorisches Konzept usw. aufkamen.

Arbeitstreffen im Ausstellungsraum

Wir entschieden uns für den Ausstellungsraum efunktion in Köln Ehrenfeld. Von dem Moment an begann die intensive Planungsphase: Wer stellt wo aus? Wie wirken die Arbeiten nebeneinander? Wie wird die Arbeit präsentiert? Welche Geräte werden gebraucht? Wie sind die Lichtverhältnisse? Wie sieht das Catering aus? Was wird angeboten? Wo lassen wir die Plakate und Flyer drucken und in welcher Auflage? Wie gestalten wir das “brain”? Es war viel Engagement gefragt, denn der Termin rückte immer näher.


PART III – Die Ausstellung

Nach einführenden Worten von Prof. Dr. Torsten Meyer, Aurora Rodonò (Projektleiterin der Jungen Akademie) und Nikolas Klemme (mitwirkender Künstler) wurde die Ausstellung eröffnet.

Ausstellung

Teilnehmende KünstlerInnen:

Juditjudithh Dauth, 1989 in der Nähe von Fulda geboren und aufgewachsen, zog 2009 nach Köln, wo sie Sonderpädagogik, Deutsch, Sozialwissenschaften und Kunst studiert. Bereits während ihrer Schulzeit nahm sie an mehreren Ausstellungen teil, wo sie neben Menschendarstellungen meist großflächige abstrakte Malereien zeigte. Im Laufe ihres Kunst-Studiums verlagerte sich ihr künstlerisches Interesse dann zunehmend hin zu plastischen Werkverfahren, sowie partizipativen Arbeiten, welche die dichotome Trennung zwischen KünstlerIn und BetrachterIn in Frage stellen, woran auch ihre aktuelle Arbeit anknüpft.

IMG_0686DSC_0893Bei ihrem Werk ichunterkonstruktion handelt es sich um eine partizipative Wandinstallation, welche die RezipientInnen dazu anregen soll, über eigene Identitäten bzw. über identitätsstiftende Merkmale nachzudenken. Wie sehen wir uns eigentlich selbst, was zeichnet uns aus und was nicht? Basierend auf diesen Fragen geht es um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Prozess und Produkt dieser Arbeit beschäftigen sich mit der Vielschichtigkeit von Identitäten, sowie mit Selbstwahrnehmung, Beeinflussung, Individualität und Gemeinschaft.

 

 

 

lisaLisa James, 21 Jahre alt und ursprünglich aus Langenfeld, zog nach dem Abitur 2012 erstmal mit einer Freundin durch Europa – und danach nach Köln. Dort studiert sie nun Kunst und Germanistik. Seit Anfang 2013 ist sie freischaffend künstlerisch tätig, vor allem zeichnerisch und graphisch. Unter dem Namen Kunstkram veröffentlichte sie erste Arbeiten im Rahmen der „Nacht der jungen Kultur“ in Langenfeld. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit Menschen, mit zwischenmenschlichen Beziehungen und auch mit sich selbst auseinander.

HP8_2093_700DSC_0873Mit ihrem Beitrag zu der Ausstellung (fremd)SEIN möchte sie die Besucher daran erinnern, dass manchmal fremd sein da stattfindet, wo man es am wenigsten erwartet – bei den Menschen, die einem am nächsten stehen. Wie verändert man sich und wird sich selbst durch einen anderen Menschen fremd? Dieser Thematik geht sie mit ihren Arbeiten auf den Grund.

 

 

 

 

 

nikolasNikolas Klemme, 1986 geboren in Nordhorn, Niedersachsen, wohnhaft in Köln, begann nach seinem Abitur mit dem Studium der Kunstgeschichte und –pädagogik, sowie Psychologie, Informatik und Geschichte an den Universitäten Heidelberg, Bremen und zu Köln. Seit 2003 ist er freischaffend künstlerisch tätig, auch als Musiker, Kollaborateur und Agitator.

Arbeit NikolasDSC_0986Mit IDentity (Insert Identity) beschäftigt sich Nikolas Klemme mit dem komplexen Gebilde der Identitätsbildung und die damit in seiner Arbeit verbundenen technisch-medialen Umsetzungsproblemen. Hierfür lässt er in einer Live-Dauerperformance Identitätsbeschreibungen in verschiedenen bzw. wechselnden Medien anfertigen. Diese werden dann in weitergehende Transfers durch ein anderes Individuum in andere Medien überführt. Die hierbei auftauchenden Kommunikationsprobleme zeigen auf, dass sich Identitätsbildung in konstanter Abhängigkeit zu […] befindet und deren Genese weder alleinig vom vermeintlichen „Autor“ der Identität noch von den umgebenden „Rezipienten“ bestimmt werden können. Das folglich geförderte Bild der Identität zeigt sich als vage, zeitgenössisch aber unendlich.

Linda NeuLinda Tervoort, 1991 in Kleve geboren, wuchs am Niederrhein auf, wo sie 2011 ihr ihr Abitur absolvierte. Ihr Studium der Kunstpädagogik begann sie 2012 in Köln. Seit ihrer Kindheit gehören Tanz und Kunst zu ihren Leidenschaften. Das Interesse für die klassische Form des tänzerischen Ausdrucks wirkt sich auch auf ihre Kunst aus, in der Dynamik, das Spiel mit dem Raum und klare Formen ihren Platz finden.

DSC_1099Linda ZettelIm Zusammenhang der Ausstellung (fremd) Sein versucht sie sich dem gegenpoligen Ausdruck „gemeinsam unterschiedlichen sein‟ künstlerisch zu nähern. Inspiriert hat sie hierzu besonders das Zitat „Kultur ist nichts Sichtbares, sondern das unsichtbare Band, das die Dinge zusammenhält‟, von Joseph Joubert. So basiert ihre Arbeit connected auf der Idee, dass wir uns alle in einem Raum und einer Zeit bewegen, uns hinsichtlich vieler Aspekte unterscheiden und eine Vielfalt bilden, dies jedoch bei genauerem Hinsehen gemeinsam tun.

 

 

 

luzieLuzie Wintersohl, 1991 in Bonn geboren, wuchs im Kreis Olpe auf, reiste nach dem Abitur 8 Monate mit dem Rucksack durch Australien und Indonesien und zog 2011 nach Köln, wo sie sie zunächst Germanistik, später Kunst und Spanisch studierte. Schon immer interessiert sie sich für die deutsche Sprache, ihren Reichtum und die damit verbundene Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten. Darüber hinaus auch für verschiedene Fremdsprachen, für Literatur, Lyrik und Poesie. Dieses Interesse an Wörtern beeinflusst auch ihre Kunst. Neben ihren Schwerpunkten Grafik und Performancekunst beschäftigt sie sich über das Studium hinaus mit dem Zusammenspiel von Wort und Bild.

Luzie ArbeitIn ihrer Arbeit Insert Title versucht sie sich dem (fremd) Sein zunächst begrifflich zu nähern. Dabei stellt sie sich die Fragen: Was ist Identität? Wie setzt sich Identität zusammen? Was ist fremd und was ist eigen? Ihre Ergebnisse setzt sie dabei collagehaft zu einem Gesamtbild zusammen. Während sie sich so auf der inhaltlichen Ebene mit der Suche nach einer Identitätsdefinition auseinandersetzt, spiegelt sich auf der formalen Ebene die Thematik der Identitätskonstruktion wider. Dabei spielt ihre Arbeit mit der Wahrnehmung des Betrachters, mit Camouflage, mit Wahrheit, Illusion, Wirklichkeit und Täuschung.

 

 

dennisDennis Frasek. Das Thema seiner Arbeit ist Identitätsbestätigung: Bis heute werden bei Delikten Fingerabdrücke von den Tätern durch die Polizei in eine Datenbank aufgenommen. Somit erfährt die Identität einer Person eine Reduktion auf einen Fingerabdruck. IMG_0691Der Fingerabdruck ist so persönlich wie nichts Vergleichbares. Selbst eineiige Zwillinge besitzen unterschiedliche Fingerabdrücke. Er ist individuell, gleichzeitig ist er aber wiederum als Fingerabdruck zu erkennen und damit von anderen Fingerabdrücken auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden. Er beinhaltet also zwei zentrale Themen des Konzepts: Einerseits ist er oberflächlich betrachtet ein einheitliches Symbol, welches alle Menschen gemein haben. Andererseits beinhaltet er gleichzeitig alle Informationen seines Trägers (über den Fingerabdruck kann man eine Person und seine Herkunft, sowie Kultur ausfindig machen; somit ist ein einzelner Fingerabdruck grundlegend anders als der Rest).

 

jurgitaJurgita Spahl, 1974 in Liatuen, Vilnius geboren. Nach ihrem Abitur absolvierte sie das Studium in Grundschulpädagogik und Germanistik an der Pädagogischen Universität Vinius und war einige Jahre als Deutschlehrerin in Vilnius und in Kena tätig. 2012 hat sie ihr Studium in Skandinavistik und Germanistik an der Universität Bonn abgeschlossen. Seit ihrer Schulzeit interessiert sie sich für Bildende Kunst und Musik: Sie spielte Klavier und sang in verschiedenen Chören. Auch lernte sie zugleich verschiedene Tontechniken kennen. Neben ihrem Studium in Bonn besuchte sie Bonner Malschule, geleitet von Helga Weingärtner. Ihre Kenntnisse in Akt- und Portraitzeichnen vertieft sie in den Abendkursen an der Universität Bonn.

Jurgita Arbeit 1Jurgita Arbeit 2Das Thema „Transformation“ soll den Zustand der inneren Befindlichkeit und insbesondere das Gefühl des sich Entfremdetseins vermitteln, wobei das Äußere plötzlich als zweites Ich empfunden wird. Dieser Vorgang wird unmittelbar durch eine Körperveränderung ausgelöst.

 

 

 

 

 

 

 

paulaPaula Flake, 1990 in Bochum geboren, wuchs in Viersen auf und studiert seit dem SoSe 2012 Sonderpädagogik mit den Fächern Kunst und Deutsch an der Universität zu Köln. Seit ihrer Kindheit spielen Kunst und Tanz eine wichtige Rolle in ihrem Leben. In ihren Arbeiten setzt sie sich vor allem mit Interventionen im urbanen Raum auseinander.

Der Beitrag von Paula Flake entstand in Zusammenarbeit mit Prisca Nanninga.

priscaPrisca Nanninga, geboren 1990 in Hanau, wuchs im Raum Frankfurt auf und lebt in Obernhof/Lahn und in Köln, wo sie seit 2012 Kunst und Spanisch auf Lehramt studiert. Nach dem Abitur arbeitete sie acht Monate in Südspanien, war für ein halbes Jahr in einer Werbeagentur in Limburg beschäftigt und ist seit Jahren freiwillige Feuerwehrfrau. Ihre künstlerischen Interessen liegen unter anderem in Fotografie, Video und Malerei. Thematisch orientieren sich ihre Werke an der Natur, an Strukturen und Formen, und beschäftigen sich mit Identitätsentwürfen.

HP8_2081_700HP8_2089_700Ihre Arbeit (un)known territory (zusammen mit Paula Flake) spielt mit der Wahrnehmung von Existenz. Die Anwesenheit des Menschen manifestiert sich körperlich, doch wird er erst zu einem Individuum, wenn seine Persönlichkeit, seine Seele wahrgenommen wird. Die Hülle des Körpers kann ein sicherer Ort sein, an dem jemand seine Zuflucht findet, an den er sich zurückziehen kann, um ungestört zu sein. Diese Hülle kann also als Rückzugsort dienen, der mit menschlicher Substanz gefüllt wird: Persönlichkeit / Charakter, Wünsche, Ängste, dem individuellen Lebensweg. Nehmen wir all das im Alltag bei unseren Mitmenschen war? Die beiden Künstlerinnen rufen mit lebensgroßen, dem Menschen sehr ähnlichen Figuren einen kurzen Moment des Erschreckens hervor. Beim ersten Anblick scheint der Betrachter einem Mitmenschen zu begegnen, im nächsten Moment nimmt er die Figur als unmenschlich wahr. Genau um diesen Augenblick geht es in Paula Flakes und Prisca Nanningas Arbeit.

 

Michi NeuMichaela Root, 1991 in Heidelberg geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur reiste sie nach Australien, arbeitete in China und zog schließlich 2012 nach Köln, wo sie anfing Kunst und Mathematik zu studieren. Ihren eigenen Umzug nach Köln verbindet sie dabei mit der Migration ihrer Eltern von Kasachstan nach Deutschland. So entsteht die Grundlage ihrer künstlerischen Arbeit.

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In ящик [yáschik] beschäftigt sich Michaela Root mit den Fragen: Wer bin ich? Wer oder was umgibt mich? Wo komme ich her? Wo sehe ich mich? Wo möchte ich hin? Auf dem Weg die Fragen zu beantworten, setzt sich Michaela bewusst mit ihrer neuen Umgebung und den zunächst fremden Objekten auseinander. Ihre Ergebnisse präsentiert die Künstlerin in einer mehrteiligen Bildreihe.

SandraSandra Korintenberg beschäftigt sich in ihrer dritten Arbeit, im Themenkomplex kulturelle und religiöse Identität, mit der Frage: Deutschsein – was bedeutet das eigentlich?

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Jeder der sich diese Frage einmal gestellt hat und Menschen gefunden hat, die behaupten sie seien stolz darauf Deutscher zu sein, setzen eine gemeinsame, als deutsch empfundene Identität voraus. Die gegenteilige Behauptung sich als Deutscher zu schämen, stellt im Übrigen das Selbe dar. Im Grunde geht es darum, sich in der DSC_1104Selbstverständlichkeit von etwas Fremden oder Anderssein – dem Nichtdeutschen – zu unterscheiden. Welche unentdeckten Möglichkeiten ergeben sich in einer Migrationsgesellschaft für Kinder und Jugendliche, wo es nicht mehr um Wir oder Ihr geht, sondern um ein gemeinsames Zusammenleben, getragen durch die Vielfalt der Kulturen als Zugewinn und eine kulturelle Integration als Öffnung neuer Transkulturen? An diesem Punkt setzt die Idee des praktischen Projekts an. Was bedeutet Anderssein und wie definiert man Deutschsein? Wie empfinden Jugendliche, welche in einer kulturellen, ethnischen und religiösen Vielfalt aufwachsen diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede und welche Möglichkeiten der kulturellen Integration ergeben sich dadurch? Mit diesen und weiteren Fragen setzt sich Sandra Korintenberg in ihrer Videoinstallation auseinander, indem sie die Jugendlichen in Interviews nach ihren Gedanken befragt. Diese Arbeit entstand 2014. Sandra Korintenberg lebt, arbeitet und studiert in Köln.

LaleLale Filankesova, 1992 in Köln geboren, hat mit 22 Jahren den deutschen Pass erhalten. Die Tochter eines türkischstämmigen Iraners und einer Lesgierin aus der ehemaligen Sowjetrepublik Aserbaidschan machte 2011 in Köln ihr Abitur und begann dort noch im gleichen Jahr mit ihrem Lehramtsstudium, zunächst in den Fächern Englisch und Philosophie, später in Kunst. Ihre künstlerischen Interessen liegen vor allem in der Film- und Musikvideotheorie und der Analyse von Internetphänomenen.

Lale ArbeitFür die Ausstellung hat die Künstlerin ein Selbstexperiment gewagt. Kommentare wie „This is SO me!“ oder „Story of my life…“, die vor allem unter Videos im Internet zu finden sind und die Verbundenheit des dort kommunizierendes Subjekt mit dem präsentierten Inhalten zeigen sollen, haben sie zu folgender Frage bewegt: Ist es möglich, Persönliches, durch das, was andere produziert haben, darzustellen? [ME]dia, eine Collage aus in Film und Fernsehen vorhandenem Videomaterial, ist der Versuch, bekannte Muster und Strukturen des eigenen, realen Lebens in den Internetvideos fremder Menschen und in der künstlichen Welt der Unterhaltungsindustrie zu erkennen. Dabei wird der Begriff des “Fremdseins” doppelt aufgegriffen; nicht nur fremdes Material wird bearbeitet und zu Eigen gemacht, das daraus entstandene Werk beschreibt außerdem den kulturellen Hintergrund der Künstlerin, die sich mir der Auswanderung ihrer Eltern aus “fremden” Länders beschäftigt.

raphaelRaphael Di Canio, 1990 in Köln geboren, deutsch-Italienischer Abstammung. Nach dem Abitur2010 und mehreren Auslandsaufenthalten, unter anderem in Vicenza, Italien, begann er Germanistik und Kunst in Köln zu studieren. Seit 2011 ist er freischaffend künstlerisch tätig, unter Anderem in der Fotografie und Performance. Er ist Teil des Performance Duos „einfachzwei“. Momentan arbeitet er künstlerisch-praktisch in Neapel und Köln. –> www.raphaeldicanio.de

SONY DSCMit seinem Beitrag zu dieser Ausstellung möchte Raphael Di Canio die BetrachterInnen maßgeblich dazu einladen, sich eigene Gedanken zu dem Themenschwerpunkt Fremdheit und Fremdsein zu machen. Im Fokus seiner aktuellen Arbeit im Affekt steht
jene Schwelle zwischen Gefühl und Vernunft, Traum und Wirklichkeit – eine Gratwanderung zwischen dem alltäglichen und dem Fremden des eigenen Ichs und seine Eskalation im Prozess des Affekts.

Bildergalerie



Rückblick

 Die Ausstellung wurde ein voller Erfolg, besonders die Vernissage war sehr gut besucht. Die BesucherInnen betrachteten die Exponate bei einem Kölsch oder Sekt in entspannter Atmosphäre und tauschten sich über die Arbeiten aus. Wir bekamen viel Lob und Anerkennung für das gelungene Projekt, was uns nach dem großen Organsationsaufwand sehr stolz machte. Für alle von uns war es die erste Ausstellung, die wir selbst geplant und umgesetzt hatten. Es war eine tolle Möglichkeit für uns einen Einblick in die Praxiswelt der Kunst zu bekommen und dabei den universitären Raum zu verlassen. Unsere Arbeiten wurden plötzlich öffentlich und für jeden zugänglich. Wir legten den Status “StudentIn” ab und begriffen uns als KünstlerInnen. Als solche standen wir nun vor ganz neuen Aufgaben: Wir trugen die Verantwortung für eine ganze Gruppe, für ein gemeinsames Projekt. Die Organisation war aufgrund der vielen unterschiedlichen Terminpläne und Lebenssituationen der einzelnen Beteiligten nicht immer einfach. Wir kommunizierten zwischen den Seminar-Treffen per Email-Verteiler und nutzten einen gemeinsamen Dropboxordner, um Dokumente, Inhalte, Fotos etc. für jeden zugänglich zu machen. Das Projekt forderte viel Engagement und auch Freizeit – es hat sich gelohnt! Wir können stolz auf das Geleistete zurückblicken und mit Gewissheit sagen, dass wir um eine wertvolle Erfahrung reicher sind. Der / die ein odere andere Beteiligte hat vielleicht sogar Anregungen für ein Praxisprojekt im späteren Berufsleben als KunstlehrerIn mitgenommen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Helferinnen und Helfern, die uns bei der Umsetzung der Ausstellung unter die Arme griffen, bei unserem Fotografen Richard Stief, bei der jungen Akademie der Künste der Welt für die so wichtige Förderung und bei Prof. Dr. Torsten Meyer, der uns mit Rat und Tat unterstützte!

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