Zum Selbstverständnis der Ästhetischen Bildung

WHERE THE MAGIC HAPPENS

Studierende der Kunstpädagogik und der ästhetischen Erziehung besuchen die von Julia Dick zusammen mit Torsten Meyer und Peter Moormann organisierte Tagung „where the magic happens – Bildung nach der Entgrenzung der Künste“. Nach der Tagung haben die Studierenden die Aufgabenstellung bekommen, ihre hier gesammelten Erfahrungen, Gedanken und Erkenntnisse in Bildern, Manifesten und Texte zu verarbeiten. Im Folgenden ein paar Ergebnisse:

Die Magie

von Stella Marleen Böttcher

Wir werden sehend geboren.
Wir erblinden.
Wir leben, denken, handeln im Alltag für gewöhnlich in Mustern, Schubladen, Rastern…
Der 1. Schritt, um aus diesen alltäglichen Rastern herauszutreten, ist die Erkenntnis dieser Muster – Das Bewusstsein darüber.
Man kann nicht 100% von allen Mustern ablegen.
Es gibt Erfahrungen, Momente und Wahrnehmungen, in denen wir allerdings aus ihnen heraustreten.
Dieses Heraustreten = Magie
Es liegt an uns Magie zuzulassen.
Das Gefühl der Magie, dieser Flow lässt sich nicht erklären. Es ist subjektiv und was wir als Magie benennen hängt einzig und allein vom individuellen Subjekt ab.
Was für den einen Magie ist, muss nicht zwangsläufig für den anderen auch Magie sein. Klar ist, dass sie uns nährt, die Magie.

Gute ästhetische Bildung

von Mona Dasbach

2 Mona Dasbach

Gute ästhetische Bildung begegnet den Lernenden in ihrer Welt, ihren Räumen und Wirklichkeiten, öffnet Türen zu neuen Welten oder folgt Trampelpfaden, findet neue Wege, stellt Weichen für neue (ästhetische) Erfahrungen. Gute Ästhetische Bildung ist ein eienes Netzwerk mit Input und Interaktion. Und jeder taggt und verlinkt für sich selbst. Gute Ästhetische Bildung steht nicht stil, reagiert, micht sich ein verwertet. Gute Ästhetische Bildung wirft Fragen auf. Gute Ästhetische Bildung fühlt sich ein, beobachtet, hinterfragt bestehende Strukturen. Gute Ästhetische Bildung probiert aus, erforscht, macht Spaß.

ETWAS

von Vera Barisch

Ästhetische Bildung ist das was geschieht wenn Mensch durch die Auseinandersetzung, durch den puren Anblick oder durch die Interaktion mit ETWAS verändert spürt. Dieses Etwas kann schön sein, kann hässlich sein, kann gewollt oder ungewollt sein, kann Kunst sein oder kann Müll sein, kann etwas großes aber auch etwas ganz kleines sein. Kann unscheinbar sein.
Kann auch dann sein, wenn es nur bei dir alleine ist. Kann gerade sein, wenn es nur bei dir alleine ist.

Ästhetische Bildung findet im urbanen Raum statt, im eigenen Wohnzimmer, in der Küche, im Miteinander. Ästhetische
Bildung findet statt, wenn ich mich mit Menschen treffe, wenn ich mein inneres nach außen kehre, wenn ich das äußere neu zu betrachten lerne und darauf hin wiederum mein inneres verändere. Oder wenn ich ganz für mich bin.

Ästhetische Bildung ist nichts wofür man in die Schule gehen muss. Ästhetische Bildung braucht dein eigenes Selbst und eine Quelle der Inspiration. Wo die Quelle liegt ist ganz verschieden. Es kann in vielem sein oder im Nichts. Wenn du dich in der größten Leere befindest, kann das die absolute Inspiration sein. So wie Meditation und Stille oft mehr bewegen als viele Aktionen und große Worte. Ästhetische Bildung findet in Form, in Farbe, in Klang, in Bewegung und im Miteinander, aber auch in Abstraktheit, Dunkelheit, Stille, Ruhe und im allein sein statt. Ästhetische Bildung ist das im Alltag was dich zum schöpfenden, zum entdeckenden, zum veränderten Menschen macht.

Dieses ist ETWAS das mich inspiriert hat, das mich verändert hat. Etwas von vielem…

(Bilder folgen)

Pusten willkommen, festhalten auch

von Susi Giershausen

Zehn Thesen zur ästhetische Bildung

von Ramona Fisch

1. Ästhetische Bildung verfolgt das Ziel der Entwicklung der Sinnes– und Wahrnehmungsfähigkeit, sowie die angemessene Wahrnehmung von Schülerinnen und Schülern. Mit all ihren Sinnen sollen sie ihre unmittelbare Welt, sowie ihr kulturell vermitteltes Umfeld fühlen, riechen, schmecken, sehen und hören. Sie sollen erfahren welche Möglichkeiten sich ihnen bieten, ihre Umgebung auf ästhetische Weise kennen zu lernen. Es erfolgt eine Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler im Sinne von aisthetischen und ästhetischen Konzepten. Die sinnliche Wahrnehmung soll durch die ästhetischen Bildung gefordert und gefördert werden. Im Prozess der Wahrnehmung sollen die Schülerinnen und Schülern lernen, durch die Anwendung bestimmter Muster, ihre Eindrücke und Erfahrungen, die sie aufnehmen und erleben, in der Vielfältigkeit zu ordnen.

2. In der ästhetischen Erziehung bildet die ästhetische Erfahrung den zentralen Gegenstand. Die Ästhetik beschreibt in diesem Zusammenhang der Erziehung und Bildung nicht die Schönheit im Objekt, sondern die spezifische und differenzierte Erfahrung des Individuums. Aufgrund dessen wird diese Erfahrung unterteilt in die sinnliche Erkenntnis und sinnliche Empfindung. Hinsichtlich dieser Auffassung besteht die ästhetische Bildung aus subjektiven Erfahrungen, die diesen Themenkomplex bereichert und zunächst vom Individuum selbst ausgeht. Aufgrund der subjektiven Eindrücke entsteht eine Dynamik und Entwicklung des Neuen. Dieser entstehende Ausdruck des Individuums ist geprägt durch einen eigenen und bedeutungsvollen Sinn.

3. Das Individuum hat die Möglichkeit sich durch Freiräume zu entfalten und eine individuelle Produktion und Rezeption zu verwirklichen. Dadurch kommt die Individualität jedes einzelnen zum Ausdruck. Indem sich die Schülerinnen und Schüler uneingeschränkt und grenzenlos mit Dingen, die sie interessieren auseinandersetzten können, kommt es zur Entwicklung der Persönlichkeit. Ästhetische Mittel unterstützen den Weg der Identitätskonstruktion, vor allem dann, wenn Kinder und Jugendliche sich besonders mit ihrer Identität beschäftigen und verschiedene Daseinsformen und Lebensstile erproben oder in verschiedene Rollen schlüpfen. Ästhetische Bildung verschafft eine Bewusstheit für die persönliche Lebensgestaltung. Außerdem werden dadurch personale, soziale und kommunikative Kompetenzen gebildet. Im Kontext Schule lassen sich diese Kompetenzen zum Beispiel durch szenisches Lernen und dramatisches Gestalten, Förderung des Selbstbewusstseins, sowie angemessene Verhaltensweisen umsetzen.

4. Die ästhetische Bildung, die die Bereiche Kunst, Musik und Bewegung beinhaltet, zeichnet sich durch Vielfältigkeit und Grenzenlosigkeit aus. Sie muss den Schülerinnen und Schülern einen offenen Zugang zu diesen Themenfeldern gewähren. Schülerinnen und Schüler müssen mit einer Offenheit und Toleranz an diese Bereiche herangeführt werden, um eine Unvoreingenommenheit gegenüber der Vielfalt von ästhetischen Wirkungen zu erreichen.

5. In der ästhetischen Bildung kommt es zu einer Auseinandersetzung mit dem Individuum und der Welt in der es sich befindet. Es kommt zu einer Veränderung und Entwicklung beider Pole. Dieser Lern- und Veränderungsprozess verfolgt eine ganzheitliche und kulturelle, interdisziplinäre und interaktive, prozessuale und unabgeschlossene, selbsttätige und individualisierte Intention. Die Interaktion des Individuums mit seiner soziokulturellen Umwelt erfordert ein angemessenes und richtiges Handeln. Des Weiteren sollte Bildung bzw. Erziehung als eine Kommunikation zwischen zwei Subjekten verstanden werden. Ein weiterer Faktor auf dieser Kommunikationsebene bildet das Objekt der Bildung, nämlich der Gegenstand der vermittelt werden soll

6. Ästhetische Erziehung soll die EinbildungskraftEinfallsreichtum und Fantasie anregen. Ein wichtiger Aspekt ist das eigene gestalterische Tun der Kinder und Jugendlichen. Dafür können die Originale der verschiedenen Bereiche in Musik, Kunst und Bewegung vorangestellt werden, die die Kreativität und eigene künstlerische Betätigung der Kinder und Jugendlichen anregt. Somit eröffnet sich im Schulkontext ein weites Spektrum, wie zum Beispiel, dass sprachliche Geschalten, Zeichnen, Arbeiten mit verschiedenen Materialien, sowie musikalisches und darstellerisches Gestalten, in dem sich die Schüler frei entfalten können. leave your comfort zone. 

7. Der Einbezug von Kultur zeichnet ästhetische Bildung aus. Die Wahrnehmung und Betrachtung von ästhetisch relevanten Plätzen und Dingen erweitert den Horizont der Schülerinnen und Schüler. Ein Blick über den Tellerrand hinaus beeinflusst die Entwicklung und bereichert das Leben. Schülerinnen und Schüler sollen den Besuch des Museums, Theater und vieles mehr als Zauber erfahren. Sie sollen über die vielen Eindrücke staunen und es als Ort der Überraschung erleben. Die Betrachtung von Kunstwerken, Darstellungen, Schauplätzen, Statuen, Choreographien, Performances etc. sollen die Schülerinnen und Schüler im Sinne von Freude erfahren und als Bereicherung für ihr Leben ansehen.

8. Schülerinnen und Schüler sollen eine solide und gewissenhafte Urteilsfähigkeit erwerben. Die ästhetische Bildung soll Kriterien einer Qualitätsbeurteilung vermitteln und zu einer reflektierten Genussfähigkeit und Geschmacksbildung hinführen. In diesem Bereich spielt die Begegnung mit verschiedenen Themenfeldern eine wichtige Rolle, um den Schülerinnen und Schülern diese Kompetenz näher zu bringen. Deshalb ist zum Beispiel eine Zusammenarbeit der Schule mit Künstlern oder die intensive Auseinandersetzung mit Kunst, Musik und Literatur eine ausschlaggebende Hinführung.

9. Gegenwartsnah. Aktualität. Zukunftsorientiert. Cyberspace? Ästhetische Bildung soll, wie alle anderen Unterrichtsfächer in der Schule auch, mit der Zeit gehen. Der Einsatz von Medien steigert das Interesse und lässt eine Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit ihrem Leben zu. Natürlich sollte man die Geschichte und das Vergangene nicht außer Acht lassen, aber auch ständig einen Blick ins Hier und Jetzt, sowie nach vorne gerichtet haben. Neben Fernsehen die zum Beispiel durch Werbung und Film Ästhetik vermitteln, sind auch soziale Netzwerke und Apps ein wichtiger Bestandteil, die die ästhetische Bildung in ihrem Kontext auffassen sollte.

10. Schülerinnen und Schüler sollen ihre Erfahrungen und ihr Vorwissen in Bezug auf Ästhetik vermitteln und äußern können. Um die Vielfalt an Eindrücken und Intentionen der ästhetischen Bildung zu begreifen und damit arbeiten zu können, ist es wichtig auf das vorhandene Wissen zurückzugreifen und sich benötigtes Wissen zu beschaffen. Das Handeln der Schülerinnen und Schüler greift auf verfügbare Fertigkeiten zurück und ihre bisher gesammelten Erfahrungen beziehen sich in ihre Handlungen mit ein.

Ein Manifest

von Jana Ackermann

Ästhetische Bildung sollte…

  1. Heranführen an vergangene UND zeitgenössische Kunst – theoretisch und praktisch
  2. Lebensweltbezug bei Schülerinnen und Schülern herstellen
  3. Individuellen Zugang einrichten
  4. Spannweite der Kunst/Ästhetik aufzeigen
  5. Blick für Ästhetik im Alltag öffnen
  6. Keine Frage unbeantwortet lassen
  7. Kritisches Hinterfragen fördern
  8. Ästhetische Erfahrungen ermöglichen
  9. Verbindungen herstellen zwischen Kunst und Alltagskultur

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