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das bei Dir daheim Seminar (Dick)

“das bei dir daheim Seminar“, im Wintersemester 2016/17, hat nicht in den Räumlichkeiten der Uni Köln stattgefunden, sondern in den Wohnungen der im Seminar teilnehmenden Studierenden der Kunstpädagogik und der Ästhetischen Erziehung. In der Auseinandersetzung mit privatem Raum haben die Studierende unter der Leitung von Julia Dick im Verlaufe des Seminares die Performance „zuhause bei Dir“ entwickelt. Diese Performance wiederum konnten man schließlich als Zuschauer zu sich nach Hause in die eigenen Vier Wände einladen.

Es werden vorweg Postkarten als Einladung zu der Performance verteilt. Die Einladung ist jedoch umgekehrt die Aufforderung, die Performerinnen und ein kleines zusätzliches Publikum an bestimmten Termin zu sich nach Hause einzuladen:

Wie offen bist Du,  Fremdes in Deinen Raum eindringen zu lassen?  Finde es heraus. Lade Performer*innen zu Dir nach Hause ein. 

Werde unser Gastgeber für eine Aufführung von “zuhause, bei dir“ und wir verwandeln die alltäglichen Orte, an denen Du sonst schläfst, duschst, arbeitest, nachdenkst und isst, in Räume für Performance und Begegnung.

Wir arbeiten mit Absurdität, Empathie und dem was uns umgibt. Dein Dich für uns Öffnen wird Deinen Raum und Deine Perspektive erweitern!

Möchtest Du unser Gastgeber sein oder unsere Performance sehen?  Dann schreibe eine Email an: zuhausebeidir@yahoo.com

Mit den Gastgebern, die sich daraufhin melden, wurde abgestimmt, wie viele zusätzliche Zuschauer zu der Performance dazukommen dürfen.

Die Zuschauer*innen kommen zum besagten Termin in die Wohnung der/des jeweiligen Gastgebers/in. Diese/r wartet mit der Gruppe an Zuschauer*innen innerhalb der Wohnung im Wohnungsflur. Alle Türen bis auf die Eingangstür in der Wohnung sind geschlossen. Die Performer*innen klingelen ca. 10 Minuten nachdem die Gäste eingetroffen sind.

Die Performer*innen betreten die Wohnung nun das erste Mal. Sie waren zuvor noch nie da. Sie haben einen kleinen Trolly mit vertrauten Requisiten und Instrumenten dabei. Sie begrüßen alle Anwesenden. Dann transformieren sie sich – sie ziehen ihre Jacken aus, verlangsamen sich, werden zu Performer*innen. Aus ihren Jacken und Schuhen bauen sie eine Skulptur mitten in den Flur. Eine der Performer*innen zieht aus dem Koffer ein Blatt Papier, Tesa und Stift und schreibt damit an eine der geschlossenen Türen: „unserer Reise beginnt…“. Dann öffnet sie langsam eine erste Tür, hält inne, kuckt sich an, was für ein Raum ihr nun begegnet und tritt ein. Der oder die Gastgeber*in, die Zuschauer*innen und die anderen Performerinnen folgen langsam und suchen sich einen Platz im Raum. Die Performerin sieht das Zimmer das erste Mal. Sie folgt einem improvisiertem Impuls, der ihr beim Betrachten des Wohnraums gekommen ist. Die anderen Performer*innen steigen nach und nach mit ein – und reagieren auf diese ersten Impuls. Von hier aus entwickelt sich das Geschehen weiter. Das was passiert, ist improvisiert, es entsteht aus der vorgefundenen Situation, der Atmosphäre und den Materialien, die in diesem jeweiligen Zimmer vorgefunden werden,heraus. Primär greifen die Performerinnen hierbei auf das zurück, was da ist: die eigenen körperlichen Medialitäten, die Dinge, Geräusche, Orte, Menschen, die ihnen begegnen und auf ein zuvor erarbeitetes Repertoire an Improvisationen und Handlungen in den unterschiedlichen möglichen Räumlichkeiten einer fremden Wohnung.

Nach einer Zeit verlässt eine der Performerinnen das erste Zimmer, geht zur nächsten Tür und öffnet diese. Auch dieses Zimmer wird sich nun durch eine neue Improvisation und eine unkonventionelle Art der Nutzung der Einrichtungsgegenstände von der Performancegruppe erschlossen. Auf diese Weise, durch diese Reise, erschließen sich die Performer*innen nach und nach die gesamte Wohnung: Sie krabbeln unter Betten, umarmen Stühle, wickeln sich in Vorhänge, machen Musik auf Küchenmaschinen, singen aus vorgefundenen Büchern vor, reden mit ihren Spiegelbildern, trinken wie gierige Tiere aus Duschbrausen, Tanzen unter Schreibtischen, bereiten aus dem, was sie im Kühlschrank finden, neuartige Speisen vor…. Tanz, Spiel und Performance, Handlungen, die unkonventionell für das Zugastsein sind, werden erforscht.

Im letzten Zimmer, nachdem nun schon viel gemeinsam erlebt wurde, platzieren die Performerinnen ihr Publikum inmitten des Raumes: Die Zuschauer*innen sind eingeladen in die Improvisation mit einzusteigen. Die Performance endet schließlich damit, dass ein Zettel an zentraler Stelle im Raum aufgehängt wird: „Wir sind in deinem Zuhause angekommen“. Die Reise ist beendet. In dieser kleinen sich gefundenen Gemeinschaft, wird das Erlebte gemeinsam reflektiert.

Performer*innen:  Caroline Fuchs, Julian Schulze, Laura Hommes, Theresa Mai,  Marie Bühler, Sandra Scholz und Laura Engelhardt

Radiobeitrag über die Performance: https://www.koelncampus.com/sendung/fruehrausch/archiv/7498-was-ist-eigentlich-kunst/#podcasts

Mehr Infos zum Projekt einsehbar unter:  www.facebook.com/zuhausebeidir

 

Liebe zum Selbst (Dick)

Wie lässt man Studierende frei, sich selbst und den eignen Ausdruck zu finden – in Zeiten von allumfassend herrschendem Termindruck, entpersonalisiertem Creditsystem, vereinheitlichender Modularisierung, hoher Leistungserwartung- und kontrolle?
Während andere Studierenden der Universität zu Köln Mittwochs im Sommersemester 2016 zwischen 14:00 und 15:30 Uhr in Seminaren ihre Zeit in der Uni absaßen, waren die Studierenden im Seminar „Liebe zum Selbst“ aufgefordert, diese Zeit allwöchentlich selbstverantwortlich zu nutzen und zu gestalten, indem sie eigens erwählte Handlungen ausprobierten, die sie für geeignet hielten, zu lernen, sich selbst zu lieben.
Sie schickten hierfür der Dozentin Julia Dick immer jeweils spätestens am Abend vor der nächsten offiziellen Seminarzeit eine Handlungsanweisung und versprachen diese am eigenen Körper und im eigenen Leben während der Seminarzeit in Eigenregie auszuprobieren.
Spuren, Dokumente und Reflexionen die dabei entstanden sind, veröffentlichten die Seminarteilnehmer anonym fortwährend auf einem Blog. Während des Semesters entstand so ein gemeinsames dynamisches Archiv an möglichen Handlungsanweisungen für die Selbstliebe. Der Blog ist einsehbar unter https://liebezumselbst.wordpress.com

Auswahl exemplarischer Beispiele aus den Blogeinträgen der Studierenden:

ICH VERSCHICKE EINE FLASCHENPOST

 

ICH TANZE IM REGEN

 

ICH BESORGE MIR EINE HÄNGEMATTE UND ENTDECKE RUHEPHASEN IM ALLTAG

 

ICH RUFE/ SCHREIBE ALLE AN, DIE ICH LIEBE. UND TEILE IHNEN MIT, WIE SEHR ICH SIE LIEBE.

Menschen die man liebt.
liebt man wirklich.
vom Herzen.
Nichts erzwungenes.
Ihr Dasein.
Ihre Wärme.
Wohlbefinden.
Für ein Moment.
Ohne Anlass.
Zeige ich meine Liebe
Ein Anruf. Eine Umarmung. Eine Nachricht.
Überrascht
Voller Liebe
Ein Lächeln
Ein wertvoller Dialog
von ein paar Minuten.

 

ICH BIETE 90 MINÜTIGEN MASSAGEN FÜR JEDERMANN, UND LIEBE MICH DURCH DIE LIEBE FÜR ANDERE

 

ICH GEHE IN DIE STADT UND PROBIERE SCHÖNE KLEIDER AN

 

ICH ERINNERE MICH AN JEDE EINZELNE MEINER NARBEN

Die unter meinem rechten Fuß

Im Urlaub in Holland bin ich am Strand in eine Muschelscherbe getreten, ich
muss in etwa 3 Jahre alt gewesen sein. Die Geschichte kenne ich demnach nur
von Fotos und aus Erzählungen. Am schlimmsten fand ich scheinbar die braune Salbe,
mit der ich täglich verarztet wurde und über die sogar ein Lied entstanden ist,
das ich mir manchmal noch immer von meinen Tanten anhören muss:
Ich mag die braune Salbe nich’ so gerne…

Die am linken Ellenbogen

Hingefallen, bei uns in der Straße, mit dem Puky-Roller.

Die in der Leiste

Leistenbruch als Baby. Mehr weiß ich nicht.

Die am linken Handgelenk

Daran erinnere ich mich! Mit dem Tomatenmesser geschnitten, das ich seit dem meide.

Die am linken Knie

Das war der Sturz mit dem Tandem in Holland, Sommer 2010. Ich saß hinten, meine
Freundin hat gelenkt und plötzlich lagen wir auf dem Boden. Zurück zum Campingplatz
haben wir geschoben, wurden verarztet und haben einen Schnaps für die Nerven
bekommen. Ich weiß noch, dass ich im Geheimen sauer war auf sie, dass sie falsch
gelenkt hat.

Die am rechten Knie

Wir waren an einem Bach im Wald und haben im Wasser gespielt. Da bin ich mit dem
Knie auf einen spitzen Stein im Wasser gestoßen. In den Wochen darauf habe ich
mir die selbe Stelle immer wieder aufgeschlagen.

Die, die sich vom rechten Knie außen am Bein hochzieht

…oder: Die frischeste Narbe. Die, auf die ich am häufigsten angesprochen werde.
Im Herbst 2009 habe ich bei meiner Freundin übernachtet, im Hochbett. Abends waren
wir lange wach, was mit 15 noch aufregender war und plötzlich hatte ich es
furchtbar eilig, die schon angeknackste Leiter runter zu klettern, um was zu
schreiben zu holen. Wir waren kurz davor, eine uns damals wichtig erscheinende
Handynummer zu erfahren. Wären da nicht die zwei Schrauben gewesen, die ihre
Spuren an meinem rechten Knie hinterlassen haben. Ihre Mutter wecken wollte ich
nicht, selbstlos wie ich zu sein glaubte. Am nächsten Tag, als ich Papa die Wunde
gezeigt habe, ist mir alles erst bewusst geworden, ich wurde kurz ohnmächtig. Im
Krankenhaus sagten sie, zum Nähen bzw. Klammern sei die Wunde schon zu trocken.
Seit dem ziert die zweispurige, ca. 12cm lange Narbe mein äußeres rechtes Knie
und zieht (zog) so manchen zunächst erschrockenen Blick auf sich. Am Anfang fand
ich das ziemlich schlimm, dass man sie immer sehen wird, aber nach “Als der Blues
begann” hat sich das geändert. Wir haben versucht, uns aufregendere, heldenhafte
Geschichten auszudenken. Aber es ist und bleibt ein Andenken an ein zu schnelles
Runterklettern von der halbkaputten Hochbettleiter. Wegen einer Handynummer.

Die am linken großen Zeh

Die stammt auch vom Tandemunfall.

andere Räume (Dick)

Das Seminar „andere Räume“ begab sich auf die Suche nach potenziellen Orten der Lehre und des performativen künstlerischen Ausdrucks außerhalb der Räumlichkeiten der Universität zu Köln. Die performativ forschenden Seminarsitzungen fanden nicht im Seminarraum sondern u.a. in einer Kirche, in einem Schloß, in einem Verwaltungsgebäude und in einem Ikea statt. Parallel dazu wurde sich theoretischen mit philosophischen Raumtheorien auseinandergesetzt.
Studierende der Kunstpädagogik und der ästhetischen Erziehung haben schließlich eigene künstlerische intervenieve Arbeiten für, über und in einem selbst gewählt Ort geschaffen. Für die Präsentation dieser Arbeiten bzw. deren Dokumentationen wurden schließlich hierfür passende Orte und Räume in der Humanwissenschaftlichen Fakultät gesucht, besetzt und temporär eingenommen. Exemplarische Beispiele:

Ohne vier Wände / Fotographien/ Friederike Bergmann

Friederike Bergmann verrückt ihr privates Zimmer hinaus an die frische Luft auf ein Feld.
Die Fotographien die bei der Aktion entstanden sind, hängt sie in einen Baum der vor der Humanwissenschaftlichen Fakultät steht.

Foto der Aktion

Ausschnitt aus der Präsentation der Fotos

 

Private Räume in öffentlichen Räumen / Film/ Sina Riemann

Sina Riemann richtet sich in der Straßenbahn mit Einrichtungsgegenstände aus ihrem privatem Zimmer ein. Ein Film dokumentiert die Aktion. Für die Präsentation des Filmes auf ihrem Laptop richtet sich Sina Riemann in eine Sitzgruppe der Humanwissenschaftlichen Fakultät erneut mit ihrem privatem Besitz ein.

Installationsansicht

Filmstill von der Aktion

 

putt machen / eMail-Verkehr / Lennart Speer

Lennart Speer schreibt deutschlandweit Abrissunternehmen an, mit der Bitte ihm einen Kostenvoranschlag zuzusenden der darüber Informiert wieviel der Abriss des Gebäudes der Humanwissenschaftlichen Fakultät kostet. Er präsentiert Ausdrücke des Emailverkehrs in Vitrinen auf den Fluren der Humanwissenschaftlichen Fakultät.

Installationsansicht

Auszug aus dem Emailverkehr

 

Blinder Raum / Video / Lea vom Stein

Lea vom Stein verbringt einen Tag lang blind. Es entstehen ein dokumentarisches Video über ihre Aktion und mehrere blind gefertigte Zeichnungen. Das Video installiert sie gemeinsam mit den Zeichnungen im Theaterraum des Instituts für Kunst und Kunsttheorie.

Installationsansicht

Detail der Installation: Die Zeichnungen die blind entstanden sind

 

die Einpersonendisko / Patrizipative Rauminstallation/ Simon Plaßmann

In einem technischem Räumchen der Humanwissenschaftlichen Fakultät, welcher gerade einmal einen quadratmeter lang und breit ist, richtet Simon Plaßmann eine Disko ein. Diese Disko kann immer genau von einer Person betreten werden. In der Disko ist man eingeladen alleine zum eigenen Wunschlied zu tanzen und Bier zu trinken.

Installationsphoto

 

magische Räume der Kindheit / Audioinstallation/ Vera Barisch

Vera Barisch setzt sich mit für sie bedeutsamen Räumen in ihrer Kindheit auseinander. Sie fotographiert diese Räume und nimmt die Geschichten die sie mit diesen Räumen verbindet auf. In ihrer Audionstallation in einem Bunkerraum im Keller der Uni lädt sie Betrachter ein, sich in eine von ihr traumhaft inszenierte Welt niederzulassen, die gemachten Photos anzusehen und den dazugehörigen Geschichten zu lauschen.

Installationsansicht

Detail aus der Installation

 

Würdest Du mir den Inhalt Deiner Tasche zeigen? / Fotographien / Stella Böttcher

Stella Böttcher bat Fremde darum, ihr den Inhalt ihrer Taschen zu zeigen und von ihr fotographieren zu lassen.
Die entstandenen Fotos präsentiert sie in der Mädchenumkleidekabine von der Sporthalle der Humanwissenschaftichen Fakultät

Beispiel aus der Fotoarbeit

Hello Stranger / Performancedokumentation / Sina Vogel

Als Reaktion auf den Aufruhr der Silvesternacht 2015 in Köln und vor allem auch dessen Folgen stellt sich Sina Vogel mit verbundenen Augen auf die Kölner Domplatte und lädt als ein Zeichen für das Zusammenspiel von Vertrauen und Respekt dazu ein, sie zu umarmen. Die dabei entstandenen Photos und Spuren präsentiert Sie an einer Wand im Flur der Humanwissenschaftlichen Fakultät.

Zum Selbstverständnis der Ästhetischen Bildung

WHERE THE MAGIC HAPPENS

Studierende der Kunstpädagogik und der ästhetischen Erziehung besuchen die von Julia Dick zusammen mit Torsten Meyer und Peter Moormann organisierte Tagung „where the magic happens – Bildung nach der Entgrenzung der Künste“. Nach der Tagung haben die Studierenden die Aufgabenstellung bekommen, ihre hier gesammelten Erfahrungen, Gedanken und Erkenntnisse in Bildern, Manifesten und Texte zu verarbeiten. Im Folgenden ein paar Ergebnisse:

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Idea & Rausch

Studierende der Kunstpädagogik und der ästhetischen Erziehung erarbeiten im Seminar von Julia Dick ohne Themen und Formvorlage eigenständige Projektideen und stellen diese im Rahmen einer Werkschau aus. Danach kriegen sie die Aufgabe im Rahmen eines Textes anhand von Schlüsselbegriffen zu ihrer Arbeit zu reflektieren, ob und wie und was von ihrer im Projekt eingenommen „künstlerischen Haltung“ übertragbar auf eigene didaktische Fragestellungen ist.

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